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Zimmerer und Influencer: Teil I mit Franzi Kress

Erzählen auf Instagram über ihre Arbeit: Zimmerer-Gesellin Franzi Kress (l.) und Maurermeisterin Julia Schäfer.

Junge Influencer aus dem Handwerk kamen bei der Messe Dach+Holz International in Stuttgart zusammen. Treffpunkt war das Dach+Holz Forum in Halle 6, dort moderierte Zimmermeister Paul Robben Gesprächsrunden - unter anderem mit Zimmerern. Die Influencer sind in den sozialen Netzwerken, wie Instagram und Youtube, sehr aktiv und erzählen dort über ihren Berufsalltag. Wir stellen drei von ihnen in einer Serie vor.

Franzi Kress (21), Zimmerer-Gesellin aus Ansbach,
auf Instagram franzi_kress, rund 2000 Abonnenten:

Franzi Kress will junge Frauen fürs Handwerk begeistern. Deshalb erzählt sie auf Instagram über ihre Arbeit – dort hat die Influencerin über 2000 Fans. Im Interview erzählt sie über ihre Leidenschaft zum Zimmererhandwerk und wie sie es geschafft hat, so viele Menschen im Internet zu erreichen.

Franzi, Frauen auf dem Bau sind immer noch rar. Warum bist du Zimmerin geworden?

Franzi Kress: Darauf hat mich mein Patenonkel gebracht, er ist auch Zimmerer und hat damals am Haus meiner Großeltern gearbeitet - da durfte ich fleißig mithelfen. Außerdem habe ich vor meiner Ausbildung ein Jahr Steuerrecht studiert, aber die Büroarbeit war mir einfach zu langweilig. Ich wollte was mit meinen Händen machen: Handwerk, anpacken.

Und was haben deine Freundinnen dazu gesagt?

Erst fanden sie es eigenartig. Denn sie hatten noch das veraltete Bild des hartbuckelnden, männlichen Handwerkers im Kopf. Inzwischen wissen sie aber durch mich, dass sich das Handwerk verändert hat und, dass der Job sehr wohl für jeden geeignet ist!

Auch auf Instagram erzählst du begeistert über deinen Beruf – warum bist du gerne Zimmerin?

Ich liebe meine Arbeit, weil man selbst etwas schafft. Abends sieht man, was man erreicht hat. Und durch meinen Beruf habe ich extrem viel Selbstbewusstsein bekommen und kann mich durchsetzen.

Und wie geht’s dir als Frau auf der Baustelle?

Ich komme super mit meinen Jungs zurecht. Natürlich bekommt man mal einen Spruch reingedrückt, aber dann kommt eben einer zurück. Mit Kollegen aus fremden Gewerken komm ich auch gut klar. Manche schauen ab und an skeptisch, aber da muss man dann drüberstehen oder schlagfertig sein. Das bin ich beides.

Was kannst du als Zimmerin besser als deine männlichen Kollegen?

Größentechnisch tu ich mich bei manchen Aufgaben leichter, zum Beispiel wenn man in Kamine oder kleine Ecken reinkriechen muss. Aber ich denke: Der eine kann das besser, der andere das – das ist nicht geschlechterspezifisch. Da sind wir alle gleich und auf einer Höhe!

Trotzdem wünscht du dir, dass sich auf dem Bau noch etwas ändert...
Ja, in meinem Beruf sollte es noch mehr Akzeptanz für Frauen am Bau geben. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass sich auch mehr Frauen auf den Bau trauen! Außerdem darf das klassische Handwerk nicht verloren gehen.

Inwiefern?

Wir sind zum Beispiel schon sehr weit im Bereich Vorfertigung. Das beschleunigt zwar alles, aber es besteht die Gefahr in Zukunft nur noch Monteure auszubilden.

Für das Handwerk wirbst du auch auf deinem Instagram-Kanal – dort folgen dir inzwischen über 2000 Fans!

Dass ich so viele Abonnenten habe, hat sich eher zufällig ergeben. Ich habe da nicht darauf zugearbeitet, sondern versuche in meinen Beiträgen einfach authentisch rüberzukommen. 

Und wieso wolltest du auf Instagram über deine Arbeit als Zimmerin erzählen?

Ich will das Handwerk populärer machen: Man verdient gut und es macht unfassbar viel Spaß, das darf auch jeder sehen! Und ich will auch anderen Frauen damit zeigen: Hey Mädels es geht!

Serie über Zimmerer als Influencer:

Handwerker und Influencer: Bei der Messe Dach+Holz International in Stuttgart kamen sie auf dem Podium zusammen.

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